Bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen anregen, fördern und einbinden – drei Handlungsebenen für Kommunen

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Wirtschaftsunternehmen, die sich – über die verantwortliche Gestaltung ihrer Geschäftstätigkeit hinaus – mit ihren Ressourcen, Kompetenzen und nicht zuletzt mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bürgerschaftlich engagieren, sind für Kommunen ein zunehmend bedeutsamer Erfolgsfaktor bei der Bewältigung zentraler Herausforderungen wie Zusammenhalt und Integration, Bildung und Innovation. Schon 2003 hat der Deutsche Städtetag in seiner Haupt-versammlung hierzu festgestellt, dass die „vorhandenen, vornehmlich interessenbestimmten Beziehungen zwischen Stadt, Bürgern und ortsansässigen Unternehmen [..] durch Einbeziehung unternehmerischen bürgerschaftlichen Engagements in gemeinwohlorientierte Aufgabenstellungen um eine ideelle Komponente angereichert werden [können].“ Daher wird den „Städten [..] empfohlen, Unternehmen und dort Beschäftigte zu gewinnen, sich durch aktive Mitgestaltung in das Gemeinwesen einzubringen und damit die örtliche Wirtschaft als Bestandteil der örtlichen Gemeinschaft zu festigen.“

Was können Kommunen tun (bzw. was tun sie vereinzelt schon), um Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ein bürgerschaftliches Engagement zu gewinnen? Folgende drei – miteinander kombinierbare – Handlungsformate stehen ihnen zur Verfügung:

  • Unternehmensengagement anerkennen und anregen
  • Engagementpartnerschaften zwischen gemeinnützigen Einrichtungen und Unternehmen fördern
  • Lokale strategische Problemlösungspartnerschaften initiieren

Unternehmensengagement anerkennen und anregen

Beim ersten Format geht es vor allem darum, bei möglichst vielen in der Kommune ansässigen bzw. tätigen Klein-, Mittel- und Großbetrieben bereits stattfindendes bürgerschaftliches En-gagement öffentlich anzuerkennen und hiermit weitere Unternehmen zur Nachahmung anzuregen. Mit der Auswahl der öffentlich anzuerkennenden Engagements und durch begleitende Impulse kann die Kommune darüber hinaus zu einer Modernisierung des Unternehmensengagements beitragen: Von der reinen Geldspende hin zum Engagement mit Unternehmenskompetenz und –personal oder auch hin zur intelligenten Verknüpfung von Gemeinwohl und Eigennutz etwa im Rahmen der Personalentwicklung.
In diesem Sinne geeignete Maßnahmen können sein:

  • Öffentliche Anerkennung des kommunalen Unternehmensengagements etwa durch Auslobung eines (symbolischen) Preises oder durch eine würdigende Präsentation im Rahmen einer Veranstaltung
  • Öffentliche Veranstaltung(en), mit denen interessierten Unternehmen praktikable Anregungen für ein allen Beteiligten nutzbringendes Unternehmensengagement gegeben werden
  • Veröffentlichung guter Praxisbeispiele vor allem aus der lokalen Wirtschaft, praktischer Tipps für das Engagement oder auch von Ansprechpartnern und Beratern bzw. Unterstützern für den Einstieg ins Engagement – als Broschüre oder auf der städtischen Website
  • Ansprechpartner beim Amt des Oberbürgermeisters – u.a. zum Abbau von Engagementbarrieren
  • Bereitstellung bzw. Vermittlung von Beratungskompetenz für Unternehmen

Engagementpartnerschaften zwischen gemeinnützigen Einrichtungen und Unternehmen fördern

So manches Unternehmen würde sich gerne aktiv im Gemeinwesen engagieren, findet dazu aber nicht den geeigneten gemeinnützigen Partner. Gemeinnützige würden gerne mit Unternehmen praktisch kooperieren, wissen aber nicht, wie sie ins Gespräch kommen können. Gewerbliche Unternehmen und gemeinnützige Organisationen repräsentieren unterschiedliche Welten, die sich gegenseitig viel zu geben hätten und gemeinsam so manches bewegen könnten – wenn sie sich denn träfen und eine gemeinsame Sprache fänden.
Zur Entwicklung einer Engagementpartnerschaft mit gegenseitigem Respekt und beidseitigem Nutzen müssen beide Seiten ein solides Verständnis für das Gegenüber und seine Möglichkeiten wie Grenzen entwickeln. Dies ist leider noch nicht selbstverständlich.
Die Kommune kann u.a. auf folgenden Wegen zur Entwicklung dieses gegenseitigen Verständnisse und zu produktiven Begegnung zwischen der gewerblichen und der gemeinnützigen Welt beitragen:

  • Qualifizierungsangebote für gemeinnützige Einrichtungen, so dass sie gemeinnützige Anliegen in Engagementprojekte umsetzen können, die für Unternehmen geeignet sind und auf dieser Grundlage passende Unternehmen identifizieren und erfolgreich ansprechen können.
  • Einrichtung bzw. Unterstützung einer Mittleragentur, die Unternehmen wie gemeinnützige Einrichtungen ansprechen, beraten und zueinander vermitteln kann.
  • (Mit-)Veranstaltung einer Begegnungs- und Vermittlungsbörse für interessierte Unternehmen und gemeinnützige Einrichtungen. Am Ende einer solchen Börse sind zahlreiche kleine, leicht zu realisierende Engagementprojekte vereinbart, die oftmals den Grund legen für eine längerfristige Partnerschaft. Solche Börsen finden in mehr und mehr Städten unter dem Titel „Marktplatz – Gute Geschäfte“  statt.
    Oder auch (Mit-)Veranstaltung bzw. Unterstützung von unternehmensorientierten Freiwil-ligentagen (auch „Social Days“ genannt).
  • Öffentliche Anerkennung gelungener Kooperationen zwischen Unternehmen und gemeinnützigen Organisationen etwa durch Auslobung eines (symbolischen) Preises oder durch eine würdigende Präsentation im Rahmen einer Veranstaltung. Der nordrhein-westfälische Unternehmenswettbewerb ENTERPreis 2007 (veranstaltet vom Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen) hat solche Engagementpartnerschaften z.B. in der Kategorie „Gemeinsam bewegen“ gewürdigt.

Lokale strategische Problemlösungspartnerschaften initiieren

Unternehmensengagement und Engagementpartnerschaften anzuerkennen, anzuregen und zu fördern bereitet den Boden für diesen dritten Aspekt, der für Kommunen von strategischem Interesse sein sollte: Die Initiierung strategischer problemlösender Engagementpartnerschaften. Solche Partnerschaften geben dem kommunalen Unternehmensengagement Richtung und Rahmen. Sie widmen sich der nachhaltigen Verbesserung der sozialen Lage im Gemeinwesen: Chancen für Erwerbsarbeitslose, Integration von Migrantinnen und Migranten, sozialer Zusammenhalt, Zukunftsperspektiven für junge Menschen, Bildung und Qualifizierung bis hin zur Stadtentwicklung für eine „Kreative Stadt“ mit starken Talent-, Technologie- und Toleranzpotenzialen können die Herausforderungen sein, zu denen sich strategische Partnerschaften bilden lassen. Das Besondere ist hierbei, dass alle Akteure im Gemeinwesen grenzüberschreitend zu gemeinsamem Handeln bewegt werden: Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und ihre Mitarbeiter, gemeinnützige Organisationen sowie die Kommunalverwaltung. Dabei bringt jeder Partner seine spezifischen Kompetenzen und Ressourcen ein, die dann in der Gesamtheit zur Verbesserung der Situation bzw. Lösung konkreter Probleme beitragen.

  • Eine erste Maßnahme kann hier die Veranstaltung von Strategie- bzw. Entwicklungswerkstätten sein, in deren Rahmen interessierte Bürger, Unternehmen, gemeinnützige Organisationen, Kommunalverwaltung und -politik Schlüsselprobleme identifizieren und gemeinsam lösungsorientierte Handlungskonzepte entwickeln, die insbesondere auf dem bürgerschaftlichen Engagement der beteiligten Akteure aufbauen.
  • Hieraus kann z.B. eine Charta der Stadtgesellschaft – inklusive der lokalen Wirtschaft – für die Zukunftsfähigkeit der Kommune entstehen, mit der Unternehmen, Gemeinwohlorganisationen und nicht zuletzt Bürgerinnen und Bürger sich zum zielgerichteten gemeinnützigen Engagement verpflichten und zugleich Anregungen und Hinweise für sinnvolle Engagements erhalten.
  • Eine andere Maßnahme kann die Einrichtung eines quartiers- oder stadtbezogenen „Runden Tisches“ sein, an dem öffentliche Einrichtungen, Kommunalverwaltung, Gemeinnützige und nicht zuletzt Unternehmen aus dem Einzugsgebiet regelmäßig zusammen kommen, um für aktuelle Probleme im Gemeinwesen praktische Lösungen zu entwickeln und gemeinsam zu realisieren. Diesem Ansatz folgt z.B. der „Werstener Koordinierungskreis gegen Armut und Arbeitslosigkeit“ im Düsseldorfer Stadtteil Wersten mit der Initiative „Mit Herz und Hand für Wersten“.