„Wir wollen Corporate Volunteering aus der ‘nice to have’- Ecke herausholen”

Hanna Daum„Wir wollen Corporate Volunteering aus der ‘nice to have’- Ecke herausholen”

Interview mit Hanna Daum, Nationale CSR-Koordinatorin der Randstad Deutschland GmbH & Co. KG und als diese in der Arbeitsgruppe Corporate Volunteering in der WIE-Initiative tätig.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend arbeitet WIE für die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements. Den Schwerpunkt bilden die Themen Corporate Volunteering und Wirkungsmessung von gesellschaftlichem Engagement. Im Dezember 2012 fand die Expert/-innentagung „Staat und Wirtschaft – gemeinsam für die Bürgergesellschaft. Perspektiven für Sektor übergreifende Engagementförderung“ statt, auf der die Zwischenergebnisse der gemeinsamen Arbeit diskutiert wurden.

3WIN e.V.: Corporate Volunteering (CV) war Thema bei der WIE-Tagung im Dezember 2012. Im ersten Engagementbericht der Bundesregierung wurde von der Expertenkommission CV als ein Strategieindikator herausgearbeitet. Da interessiert uns der Diskussionsstand der WIE-Initiative zum Corporate Volunteering: Geht es hier nur um den Erfahrungsaustausch oder auch um die Weiterentwicklung?

Hanna Daum: Es geht um die Weiterentwicklung.

Die Ziele der AG CV sind
1. die Infrastrukturentwicklung: Unternehmen, öffentliche Hand und Zivilgesellschaft als Förderer und Mittler von bürgerschaftlichem Engagement stärken. Wie kann man diese Infrastrukturentwicklung voranbringen? Was für Punkte sind da noch offen? Und wo müssen wir da ansetzen?
2. Steigerung des gesellschaftlichen Mehrwerts von CV. Das soll unter anderem durch den Dialog mit der Zivilgesellschaft stattfinden.
3. Profilierung von CV als Personalentwicklungs- und Bildungsressource.
4. Förderung von CV als Instrument des Übergangsmanagements, und zwar nicht nur für den Übergang in den Ruhestand, sondern auch für andere Übergänge, die im Leben stattfinden – wie z.B. das Ausscheiden in Elternzeit und die spätere Rückkehr. Oder der Wiedereinstieg nach langer Krankheit.
Hierzu haben wir zunächst in 2011 die WIE-Unternehmen für eine Bestandsaufnahme befragt: Was macht ihr, warum, mit welchem Zielen, mit welchen Wirkungen? Also eine platte Bestandsaufnahme, um auch mal zu sehen, was machen wir eigentlich hier als Unternehmen. Damit wollten wir auch einfach mal erfahren, wie die jeweils anderen Unternehmen mit dem Thema im Unternehmen umgehen, welchen Spielraum es dort gibt, solche Projekte aufzulegen, welche Mittel sie zur Verfügung haben, mit wem sie kooperieren …. Das hatte für uns alle einen hohen Lernwert zu sehen, wie andere das Thema anpacken.
Ein nächster Schritt war dann die Woche des Bürgerschaftlichen Engagements in 2012, wo wir gemeinsame CV-Aktionen mit dem Bundesfamilienministerium initiiert haben und uns auch zwischen den Unternehmen ausgetauscht haben. So haben z.B. von unserem Unternehmen Mitarbeiter an zwei Projekten von IBM bzw. der Telekom teilgenommen. Damit haben wir gezeigt, dass nichts dagegen spricht, eigene Engagementprojekte für andere Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu öffnen. Und das Bundesfamilienministerium war schon sehr begeistert, dass sie jetzt an Unternehmensprojekten mit teilnehmen würden. Sie fanden die Idee ganz klasse. Bei einem Projekt von IBM hat sich sogar der Staatssekretär Linzbach praktisch engagiert. Das werden wir dieses Jahr wieder machen, um so zu zeigen, dass man Engagementprojekte für andere öffnen und sich damit gegenseitig befruchten kann.
Als nächstes hat es im März 2013 ein erstes Roundtable-Gespräch mit Akteuren aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gegeben. Weiter erstellten wir einen  Leitfaden CV, der Handlungsformen und strategische Ziele zum Inhalt hat und für jeden, der zu diesem Thema einen Zugang finden will, eine Hilfestellung sein soll. Der Leitfaden soll online erhältlich sein. Es gibt sicher schon viel zu diesem Thema. Aber die Gruppe will einfach auch noch mal zusammenfassen, was es an praktischen Hinweisen gibt und diese zur Verfügung stellen – auch wenn es da Wiederholungen geben mag.
Bei der erwähnten WIE-Tagung war auch von der strategischen Bedeutung des Corporate Volunteering die Rede. Inwiefern ist für die WIE-Initiative CV ein strategischer Faktor im Unternehmensengagement?
Unser Ansatz ist, dass wir CV aus dieser soften Ecke herausholen müssen, aus diesem „nice to have“, über das sich alle darüber freuen, aber das auch nicht vermisst wird, wenn man es weg lässt. Wir wollen herausarbeiten, dass CV mithelfen kann, strategische Ziele für das Unternehmen zu erreichen, es also für das Unternehmen wirkungsvoll und bedeutsam ist. Es geht uns also darum, den business case herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, dass es sich hierbei nicht habe um eine Schmuseveranstaltung handelt. So bietet CV ein weites Feld als Lernplattform bzw. als Personalentwicklungsmaßnahme.

Gibt es weitere harte business cases?

Die Felder, über die wir am meisten sprechen, sind schon die Personalentwicklungsfelder und dass es eine Bildungsressource ist. So kann es darum gehen, wie man Führungskräfte aber auch einzelne Mitarbeiter über CV-Maßnahmen auf eine andere Stufe im Unternehmen heben kann.

Bei der 3WIN-Initiative „gemeinsam wirken“ liegt der Fokus auf dem Zusammenwirken von Unternehmen und auch der Sektor übergreifenden Kooperation zur Lösung von Problemen im Gemeinwesen. Haben Sie eine Vorstellung, was CV – neben oder statt dem Geld geben – beitragen kann zu solch einem problemlösenden Unternehmensengagement?

Da fällt mir einiges ein. Bei den Sparwellen, denen öffentliche Einrichtungen z.B. ausgesetzt sind, denke ich ganz oft, warum schalten sich da Bürger nicht bürgerschaftlich, ehrenamtlich ein. In der Zeitung liest man ja immer öfter Beispiele, dass in Schwimmbädern oder öffentlichen Bibliotheken Ehrenamtliche arbeiten, die die Geschicke da selber übernehmen. Sie übernehmen also Verantwortung, wenn die öffentliche Finanzierung nicht mehr gewährleistet ist und tragen so zum Erhalt solcher Einrichtungen bei. Hier können sich also Bürger auch über ein entsprechendes Unternehmens- bzw. Corporate Volunteering-Engagement einbringen.
CV heißt, dass Mitarbeiter sich im Unternehmenskontext engagieren und dabei vom Unternehmen unterstützt werden. Das unterscheidet sich ja vom rein privaten Engagement. Was könnten denn Unternehmen zu einem Engagement für den Erhalt öffentlicher Einrichtungen spezifisch beitragen? Sollten sie z.B. ihre Mitarbeiter zu ermutigen, sich für eine öffentliche Bibliothek zu engagieren?
Man könnte sich z.B. als Unternehmen mit der Kommune direkt in Verbindung setzen und fragen, wo habt ihr Probleme und wie können wir diese Probleme mit Mitarbeiterengagement z.B. lösen? Dann wäre die Frage, kann ich hierfür Leute in meinem Unternehmen gewinnen, die interessiert und bereit wären, dauerhaft oder auch in bestimmten Zeitphasen Zeit zu spenden. Das finde ich z.B. ein ganz praktisches Beispiel, was man als Unternehmen eben selber in Angriff nehmen könnte, um Mitarbeiter dafür zu interessieren, sich für ihre Kommune einzusetzen.

Frau Daum, Sie sprechen die Kommune an. Meist sind jedoch gemeinnützige Organisationen Partner eines solchen Engagements. Wo sehen Sie Anforderungen an bzw. Lernerfordernisse auf gemeinnütziger – oder auch kommunaler – Seite? Was braucht es dort, damit CV gut gelingen kann?

Da ist der Diskussionsstand der, dass man – immer wieder neu – im Wesentlichen verstehen muss, wie die jeweils andere Seite eigentlich tickt und welche Potenziale und Möglichkeiten jede Seite hat. Da gibt es oft noch viele Missverständnisse zwischen den einzelnen Akteuren: Von den Unternehmen wird nicht verstanden, wie Mittleraufgaben wahrgenommen werden und was für Anforderungsprofile oder Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um deren Kapazität auch wirklich schöpfen zu können und umgekehrt auch. Also es gibt einfach viel Unwissen unter den Akteuren, wie man eigentlich funktioniert und was man leisten kann. Das ist wohl ein kontinuierlicher Prozess, der jetzt nicht neu ist, aber den man irgendwie immer wieder beleben muss.
Es sind, glaube ich, nicht so sehr die Strukturen, die das verhindern, sondern mehr der Blick, den man aufeinander hat und das fehlende Wissen, wie man funktioniert und was man schaffen kann.
Es bräuchte also mehr Gelegenheiten, miteinander zu reden statt übereinander?
Ganz genau. Und dass man sich klar macht: Wenn wir miteinander arbeiten wollen, müssen wir klären, unter welchen Bedingungen wir das können und was jeweils leistbar ist. Also die typischen Klischees „Unternehmen sollen uns ihr Geld geben und wir machen das dann schon“ muss man erst mal abfrühstücken. Im Grunde kann man sich erst dann dem eigentlichen Thema wirklich widmen, was Unternehmen leisten wollen und können und wo die Aufgabe auf gemeinnütziger Seite bzw. bei Mittlern liegt, um das Engagementprojekt auch ins Laufen zu bringen.

Und die Kommune. Könnte die da eine Rolle spielen?

Grundsätzlich denke ich das schon. Ich persönlich habe da keine konkrete Erfahrung, daher kann ich das nicht wirklich beurteilen. Aber natürlich, warum nicht? Warum sollen die Kommunen dabei keine Rolle spielen sollen?
Im Engagementbericht der Bundesregierung wurde das Thema Clustermanagement angesprochen, was ja auch eine kommunale Aktivität ist. Und dass bei Unternehmen in solchen Clustern ein gemeinsames Engagement sinnvoll sein könnte. Da ist mein Eindruck, dass dies eine Aufgabe für die kommunale Wirtschaftsförderung sein könnte, den Blick zu weiten, welches Potenzial ein solches gemeinsames Engagement über Unternehmensgrenzen hinweg haben kann, wie Sie es vorhin erwähnt haben. Ein solches „Clusterengagement“ muss aber auch jemand zusammenführen bzw. anstoßen.
Ja, es muss jemand anstoßen. Am Ende ist das aber gar nicht so schwierig, wie das Beispiel des Bundesfamilienministeriums zeigt, das sich gemeinsam mit einem Unternehmen in einer gemeinnützigen Organisation engagiert hat. Ehrlich gesagt, gehört da gar nicht so viel dazu. Man muss es nur anstoßen und zeigen, dass so etwas relativ einfach möglich ist.

Weitere Informationen über die CSR-Aktivitäten von Randstadt:
www.randstad.de/ueber-randstad/gesellschaftliche-verantwortung-csr

Die WIE im Internet: www.cccdeutschland.org/de/wie