Enste+Wildner

Cluster- und Netzwerkpolitik um gesellschaftlich engagierte Unternehmenskooperationen ergänzen

Dr. Dominik Enste und Julia Wildner

Fragen der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship) rücken zunehmend in das öffentliche Interesse und formulieren über die Profitmaximierung hinaus soziale und ökologische Ansprüche an Unternehmen. Um den Status quo des gesellschaftlichen Engagements deutscher Unternehmen zu erfassen, beauftragte das Bundesfamilienministerium im Jahr 2012 das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) mit der empirischen Untersuchung des vorhandenen bürgerschaftlichen Engagements der Unternehmen in Deutschland. Basierend auf einer Befragung von rund 4.400 Unternehmen entstand schließlich der erste Engagementbericht der Bundesregierung, der unter dem Titel „Für eine Kultur der Mitverantwortung“ veröffentlicht wurde. Die gewonnen Daten wurden von einer Sachverständigenkommission der Bundesregierung unter dem Vorsitz von IW-Direktor Professor Dr. Michael Hüther analysiert und bewertet.

Eine der insgesamt elf Empfehlungen der Sachverständigenkommission rät zum Ausbau der Cluster- und Netzwerkpolitik in Deutschland. Kooperationen zwischen Unternehmen und anderen Akteuren können die Engagementbereitschaft und -quote erhöhen, so die Kommission. Wie sich zeigte konzentrieren fast 90 Prozent der Unternehmen ihr soziales und gesellschaftliches Engagement auf das direkte Umfeld ihres Standorts und suchen sich zur Umsetzung geeignete Kooperationspartner. Nahezu 60 Prozent der Kooperationen bestehen mit Vereinen und Freiwilligenorganisationen. Um die Suche nach geeigneten Kooperationspartnern für die Ausübung bürgerschaftlichen Engagements zu erleichtern wäre es somit der vertieften Erwägung wert, die in den Bundesländern betriebene Cluster- und Netzwerkpolitik gezielt um den Aspekt des bürgerschaftlichen Engagements als Standortaspekt zu erweitern. Die kommunale Wirtschaftsförderung ist dabei ein geeignetes Mittel, um gemäß dem Subsidiaritätsprinzip Lösungen vor Ort anzustreben. Die Kurzstudie „Wirtschaftsförderung und gesellschaftliche Unternehmensverantwortung – Ergebnisse einer Erhebung bei Wirtschaftsförderern in Nordrhein-Westfalen“ (2013) des 3WIN e.V. – Institut für Bürgergesellschaft, Köln, kann dabei interessante Einblicke in die Erwartungen und mögliche Umsetzungsbereiche solcher Lösungen geben. Wer wissen möchte, was in den Kommunen in Nordrhein-Westfalen schon alles im Kontext von CSR und CC gemacht wird und welche Schwerpunkte die Wirtschaftsförderer setzen, wird in dieser Studie fündig.

Eine weitere Empfehlung der Kommission bezieht sich auf die verstärkte Aufnahme wirtschafts- und unternehmensethischer Inhalte in die Managementausbildung, wie es 90 Prozent der befragten Unternehmen selbst fordern. Darauf reagierte das IW Köln mit der Gründung der IW Akademie, die in Kooperation mit der Universität zu Köln, der Fachhochschule Köln und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg wissenschaftlich fundierte und zugleich praxisnahe Seminare zu Fragen des integren Wirtschaftens anbietet. Die Unterstützung solcher Lehrangebote stellt in Verbindung mit gezielten Maßnahmen der kommunalen Wirtschaftsförderung einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung in Nordrhein-Westfalen dar.

 

Dr. Dominik Enste und Julia Wildner
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Quelle:

Erster Engagementbericht „Für eine Kultur der Mitverantwortung“ – zum Herunterladen im Internet:

  • Kurzfassung: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=188026.html
  • Vollständige Fassung (Bundestagsdrucksache): dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/105/1710580.pdf