Fischer

Auf dem Weg zur Corporate Regional Responsibility

Dr. Robert Fischer

Corporate Citizenship und Corporate Social Responsibility sind inzwischen auch in Deutschland etablierte Konzepte und stehen für eine bewährte Kooperation zwischen Wirtschaft und Bürgergesellschaft, bei der echte Win-Win-Situationen geschaffen und genutzt werden. Nach mehreren Jahren erfolgreicher Praxis und laufender Ausdifferenzierung der Grundidee findet auch die räumliche Dimension mehr und mehr Aufmerksamkeit: Was bedeutet gesellschaftliche Unternehmensverantwortung für den Standort, für die Stadt oder Gemeinde, für die Wirtschaftsregion?

Nach ersten Untersuchungen (Fischer 2007) und Überlegungen (Kiese 2012) ermöglicht ein räumlich fokussiertes Engagement – Regional Corporate Citizenship oder Corporate Regional Responsibility – eine weitere positive Wirkung: Über die bilaterale Win-Win-Situation und einzelne Projekte hinaus wird insgesamt der Standort aufgewertet: Kultur- und Freizeitangebot, Bildungswesen, soziale Infrastruktur, naturräumliche Qualität. Gerade diese „weichen Standortfaktoren“ sind wiederum heute entscheidend, wenn es um die originären Aufgaben der Wirtschaftsförderung wie Ansiedlung von neuen Unternehmen und Bestandspflege geht.

 

Kommunale Wirtschaftsförderung und Corporate Regional Responsibility stehen jedoch in einem indirekten und langfristigen Wirkungszusammenhang, der schwer zu evaluieren ist. Das macht es schwierig, diesen Ansatz im operativen Geschäft bzw. in kurzfristigen Zielsetzungen einer kommunalen Wirtschaftsförderung zu verwirklichen. Wenn messbare Ziele in den klassischen Aufgabenbereichen Bestandspflege und Neuansiedlung erreicht werden sollen, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Ressourcen voll und ganz dieser „Planerfüllung“ widmen, um entsprechende Fallzahlen zu realisieren. Der Aufbau einer lokalen Kultur des Corporate Regional Responsibility wird sich im Sinne dieser herkömmlichen Zielsetzungen nicht so schnell auszahlen und deshalb allenfalls mit geringer Priorität bearbeitet.

Hinzu kommt noch, dass der neue Nutzen für den Standort nicht primär in Bereichen sichtbar wird, die in das Aufgabengebiet oder das Monitoring einer sektoral beschränkten Wirtschaftsförderung fallen, sondern ggf. in den Bereichen Kultur, Soziales oder Umwelt wirksam werden, wo sie möglicherweise unbeachtet bleiben oder nicht der richtigen Ursache zugeordnet werden. Wenn dann noch die in der vorliegenden Untersuchung mehrfach bestätigte Ressourcenknappheit hinzukommt, muss es sogar positiv überraschen, dass es schon so viele Kommunen gibt, die die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung zumindest als wichtiges Thema identifiziert haben und ansatzweise bearbeiten.

Auch abgesehen vom neuen Argument Corporate Regional Responsibility gibt es bereits eine gestiegene Aufmerksamkeit gegenüber den sogenannten „weichen Standortfaktoren“. Auch an kleineren oder peripheren Standorten ist klar geworden, dass es bei Standortentscheidungen für wissensintensive Dienstleistungen um mehr geht als um Bodenpreise, Autobahnanschluss und Gewerbesteuerhebesatz. Nicht nur in diesen hochqualifizierten Segmenten geht es längst um die Frage, was der Standort sonst noch zu bieten hat, insbesondere was die mitarbeiterbezogenen Standortfaktoren betrifft: Gefragt sind attraktive Bildungs-, Kultur- und Freizeitangebote, erschwinglicher Wohnraum und letztlich das Image einer Stadt oder Gemeinde, was sicher der schillerndste Faktor bleiben wird.

Eine zeitgemäße kommunale Wirtschaftsförderung, die Interesse an Bestand und Ansiedlung hochqualifizierter Dienstleistungsunternehmen hat, wird schon aus diesen Erkenntnissen heraus ihre Aktivitäten oder zumindest ihren Blick richten müssen auf die Pflege und Entwicklung der „weichen Faktoren“ ihres Standorts. Dies kann natürlich nicht im Rahmen einer engen sektoralen Arbeitsteilung bewältigt werden, sondern nur im Sinne einer integrierten Standortförderung bzw. letztendlich als Teil eines Entwicklungskonzepts gelingen, dass alle kommunalen Aufgabenfelder berücksichtigt.

In diesem Sinne fügt sich Corporate Regional Responsibility als kommunales Handlungsfeld in eine integrierte Standortförderung bzw. Standortentwicklung ein.

 

Dr. Robert Fischer, Bereichsleiter Regionalentwicklung, Wirtschaft
Regionalverband FrankfurtRheinMain
Poststraße 16, 60329 Frankfurt am Main

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Quellen

Fischer, Robert (2007): Regionales Corporate Citizenship: gesellschaftlich engagierte Unternehmen in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. In: Rhein-Mainische Forschungen, Bd. 127, Frankfurt am Main

Kiese, Matthias (2012): Corporate Regional Responsibility: Konzeptionelle Überlegungen und empirische Beispiele zur regionalen Verantwortungsübernahme von Unternehmen. Vortrag zum Humangeographischen Colloquium der Humboldt-Universität zu Berlin am 18.12.2012