Schridde

Wirtschaftsförderer können und sollten mit anderen kommunalen Akteuren kooperieren

Siegmar Schridde

Bereits seit Ende 2005 besteht in der Stadt Rheine eine Anlaufstelle zur Förderung des lokalen bürgerschaftlichen Engagements. Genau seit dieser Zeit bemüht sich diese Stelle, auch das gemeinwohlorientierte Engagement von Unternehmen in den Blick zunehmen – erfolgreich, wenn es darum geht, sie als Partner für ausgewählte Projekte zu gewinnen. Weniger erfolgreich, um bei ihnen Themen wie Sozialsponsoring als Marketingmaßnahme oder Corporate Volunteering als Instrument der Mitarbeitermotivation zu platzieren.

Auch das Sichtbarmachen und damit die Anerkennung des Unternehmensengagements stellt sich schon mal als Herausforderung dar. Wie zum Beispiel bei der Erstellung einer Publikation im Jahr 2007, die das bürgerschaftliche Engagement der Stadt in seiner ganzen Breite dokumentieren sollte. Denn besonders kleine und mittlere Unternehmen engagieren sich zwar vielfach und gerne für das Gemeinwesen; sie sehen dies aber nicht als Teil der Unternehmenskommunikation und hatten kaum Interesse, ihr unternehmerisches Engagement in einer Veröffentlichung zu präsentieren.

Vielleicht fand die eingerichtete Anlaufstelle zum Thema Bürgerengagement aber auch nur nicht die richtige Sprache, um mit Unternehmen in Kontakt zu treten. Ein Problem, das auch heute für viele Mittleragenturen, wie Freiwilligenagenturen, kommunale Anlaufstellen zur Engagementförderung oder Wohlfahrtsverbänden besteht. Es werden oft Türöffner oder „Übersetzer“ gebraucht, um die Themen Corporate Social Responsibility (CSR) oder Corporate Citizenship (CC) auf die Agenda zu setzen – vielleicht besser unter Nutzung der deutschen Begriffe Unternehmerische Verantwortung für die Gesellschaft und Unternehmensengagement.

Wer kann also Mittler für die Mittler sein? Die kommunalen Wirtschaftsförderer wären prädestiniert. Eine Antwort, inwieweit diese auch die Rolle übernehmen wollen und können, bieten jetzt die Ergebnisse, der vom Verein 3WIN e.V. – Institut für Bürgergesellschaft durchgeführten Erhebung unter Wirtschaftsförderungsabteilungen und -gesellschaften in NRW.

Ein Ergebnis der Erhebung überrascht nicht. Bürgerschaftliches Engagement als eigenständiges Politik- oder Handlungsfeld zu begreifen ist –  wie in den Rathäusern von NRW insgesamt auch – in den kommunalen Wirtschaftsförderungsabteilungen zum Großteil noch nicht angekommen. Es ist oft von der zufälligen Haltung der Entscheider – Bürgermeister, Verwaltungsvorstände, Abteilungsleiter oder eben geschäftsführende Wirtschaftförderer – abhängig, ob das Thema Nische bleibt oder integrierender Teil einer Stadtentwicklungsstrategie wird. Für 55 %, der an der aktuellen Befragung antwortenden Wirtschaftförderern, ist  CSR oder CC kein The-ma. Kann man der Begründung Mangelnde personelle Ressource folgen, so ist der Grund Keine Zuständigkeit nicht zu akzeptieren. Positiv stimmt, dass zwei Drittel der Befragten diese Arbeitsfelder zukünftig gerne zum Thema machen würden.

Interessant ist auch, dass die Experteninterviews der Erhebung ergeben haben, dass so gut wie keine kommunalen Vernetzungsstrukturen zu den Themenbereichen CSR oder CC existieren. Hier könnten Wirtschaftsförderer zukünftig ansetzen. Über die Aufklärungsarbeit zur Bedeutung des unternehmerischen Engagements, dem Sichtbarmachen von Nutzen und Vorteilen für Unternehmen bis hin zum Einstieg in den Aufbau von Netzwerken besonders mit mittelständischen Unternehmen.

Es ist allerdings nachvollziehbar, wenn vor allem Wirtschaftsförderungen mit einer geringen Personalausstattung hier nicht die Federführung übernehmen können. Die Annahme eines Angebotes zur Kooperation durch einen starken Engagement fördernden lokalen Akteur sollte aber machbar sein. Auch eine Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer wäre förderlich. Das seit 2010 existierende CSR-Forum Berlin könnte dazu als Beispiel dienen.

Über die jetzt abgeschlossene Erhebung haben sich viele Befragte dem Thema erstmals gewidmet – damit ist die Hoffnung verbunden, dass das Engagement von Unternehmen zukünftig immer mehr als ein Standortfaktor für ein funktionierendes Gemeinwesen und eine positive Unternehmensentwicklung gesehen wird.

 

Siegmar Schridde
Stabsstelle Bürgerengagement
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