Wirtz

Soziales Unternehmertum ist ein zukunftsfähiges Konzept, dem sich Wirtschaftsförderer widmen sollten

Michael Wirtz

Was versteht man unter einem Sozialunternehmen?

Im Allgemeinen versucht ein Sozialunternehmer, ein soziales Problem mit betriebswirtschaftlichen Methoden zu lösen. Dabei gibt es verschiedene Formen von Sozialunternehmen. Es gibt solche, die Spenden annehmen  und auch solche, die sich davon abgrenzen und stattdessen von Investitionen sprechen, die im Laufe der Geschäftstätigkeit zurückgezahlt werden.

Nicht dazu gehören dieser Definition zufolge Hilfsorganisationen, die sich ausschließlich durch Spendengelder finanzieren, denn diesen fehlt in der Regel der Wertschöpfungsprozess, den ein Sozialunternehmen ausmacht.

Auch die Gewinnverwendung spielt bei der Definition von Sozialunternehmen eine Rolle. Der Gewinn verbleibt nach Abzug der Gehälter und sonstigen Kosten im Unternehmen, um das soziale Ziel so gut wie möglich verfolgen zu können. Es gibt allerdings auch Sozialunternehmer, die zu einem gewissen Teil an der Gewinnverwendung partizipieren (z.B. in England unter dem Namen der Community Interest Company, die beinhaltet, dass die Geschäftsführer bis zu 35 % des Unternehmensgewinns vereinnahmen dürfen).

Wie man sieht, gibt es verschiedenen Formen von Sozialunternehmen; sie alle eint, dass das soziale Ziel im Vordergrund der Unternehmenstätigkeit steht und nicht die Profitmaximierung des Eigentümers. Insofern könnten Sozialunternehmer auch mit wichtigen wohlfahrtsstaatlichen Aufgaben betraut werden (Bildung von sozial Benachteiligten, Wiedereingliederung von Kriminellen durch Vergabe von Arbeitsplätzen, Existenzgründungsförderung für alleinerziehende Frauen,…) und somit zur Haushaltskonsolidierung von Städten und Gemeinden beitragen. Noch ist dies Zukunftsmusik, es gibt aber schon Ansätze wie z.B. die „Social Business City Wiesbaden“. Alles in allem handelt es sich beim sozialen Unternehmertum um ein zukunftsfähiges Konzept, dass immer mehr an Bedeutung erlangt; dies zeigen auch Beispiele aus dem internationalen Kontext (siehe z.B. die Grameen-Bank in Bangladesch, die Mikrokredite an Frauen vergibt).

 

Es ist durchaus zu begrüßen, dass knapp die Hälfte der befragten Wirtschaftsförderungen mit dem Begriff Social Entrepreneurship etwas anfangen kann. Allerdings heißt das auch, dass die andere Hälfte der Befragten dies nicht tun und hier ein großer Aufklärungsbedarf herrscht. Schließlich entlasten Social Entrepreneurs bzw. Sozialunternehmer die öffentlichen Haushalte, indem sie wohlfahrtsstaatliche Aufgaben übernehmen. Insofern sollten sie stärker gefördert werden, und insbesondere die Wirtschaftsförderung kann hierbei eine besondere Rolle einnehmen.

 

Dipl.-Kfm., Dipl.-Soz. Michael Wirtz, Mitarbeiter am
Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung Bergische Universität Wuppertal
Gaußstrasse 20, 42097 Wuppertal
fon 0202-439-3375
wirtz@wiwi.uni-wuppertal.de, www.koch.uni-wuppertal.de

 

Quellen:

  • Yunus, Muhammad, 2010: Building Social Business. The New Kind of Capitalism that Serves Humanity’s Most Pressing Needs. New York: Public Affairs
  • www.grameencreativelab.com