„Eigentlich machen wir viele Sachen, die jeder macht, der ein erfolgreiches Unternehmen führt.“ Johannes Linke, Schreinerei Webelhaus

Interview mit Johannes Linke, Inhaber und Geschäftsführer der Schreinerei Webelhaus
Johannes Linke ist seit dem Jahr 2000 Inhaber und Geschäftsführer der Schreinerei Webelhaus, einem seit 44 Jahren bestehendem Handwerksunternehmen in Menden / Sauerland. Seit 12 Jahren ist Johannes Linke Mitglied in „Wirtschaft in Gemeinschaft“.

Herr Linke, Sie sind Schreinermeister, führen einen Betrieb mit neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und sind nach Ihren Aussagen eine Schreinerei wie alle anderen auch – nur mit einer etwas anderen Struktur.
Was unterscheidet Sie?
Nun, wir würden sagen: falsche Frage. Bei uns sagt niemand, „wir sind acht Mitarbeiter und der Chef“. Jeder sagt, wir sind neun.
Eigentlich machen wir viele Sachen, die jeder macht, der ein erfolgreiches Unternehmen führt. So sehen wir uns als Dienstleister, die durch Leistung dienen und das verwirklichen, was dem Kunden gefällt, unsere Vorstellungen stehen dabei hinten an.
Unsere Richtschnur für das Miteinander ist die goldene Regel, dass man sein Gegenüber wichtig nimmt und jeden so behandelt, wie man selber behandelt werden will.
Sicher gibt es auch Punkte, in denen wir uns vielleicht unterscheiden. Was für uns völlig normal ist, wirkt auf Externe oft etwas seltsam.
So werden zum Beispiel alle wichtigen unternehmerischen Entscheidungen im Team besprochen. Oder, ein anderes Beispiel, alle Leistung, die der Einzelne mit einhundert Prozent seiner Fähigkeiten einbringt, sind gleich viel wert. Auch wenn die Leistungen objektiv gesehen unterschiedlich sind.

Bekanntlich bemüht sich jedes gut geführte Unternehmen um ein gutes Klima, um den Gewinn zu steigern. Wir sehen unseren wirtschaftlichen Erfolg als Symptom für die Beziehungen unter uns. Bleibt der Erfolg aus, obwohl keine unternehmerischen oder handwerklichen Fehler vorliegen, müssen wir unsere Beziehungen im Team überprüfen. Dabei steht nicht im Vordergrund, den Gewinn zu erhöhen, sondern die Situation des Einzelnen zu verbessern, der wirtschaftliche Erfolg stellt sich dann automatisch ein.
Trotzdem oder gerade deshalb arbeiten wir sehr erfolgreich in einem anspruchsvollen, schwierigen Markt.

Herr Linke, Sie fühlen sich besonders verpflichtet, Menschen als Ihre Mitarbeitenden einzubeziehen, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben. Woher rührt diese Engagement und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Unsere Erfahrung ist, dass es oft ein zweites Hinsehen braucht, um die „Schätze“ des Einzelnen zu entdecken. So bilden wir ständig über Bedarf aus. Dabei erleben wir gerade bei Lehrlingen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, wie stark diese sich einbringen und sich für das Unternehmen einsetzen, wenn sie eine Chance haben und ernst genommen werden.
Völlig klar, dass es dabei auch immer viele Rückschläge gibt, aber man muss jeden Tag neu beginnen.

Sie wirken mit in der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“, einem weltweiten Zusammenschluss von Unternehmen, die eine ‚Kultur des Gebens‘ etablieren und sich für das Gemeinwohl einsetzen. Was hat Sie motiviert, dieser Initiative beizutreten? Welchen Gewinn ziehen Sie aus diesem Netzwerk?
Schon als Lehrling habe ich mir bei der Arbeit oft gewünscht, später Dinge, die mir ungerecht vorkamen, anders, besser zu machen. Besonders wichtig ist mir dies im Umgang miteinander und mit den Kunden.
Eine Kultur des Gebens, wie wir sie bei Wirtschaft in Gemeinschaft leben, bedeutet für mich persönlich beispielsweise, jeden Monat den Mitarbeitern die betriebswirtschaftliche Auswertung offen zu legen, ebenso die Bilanz. So weiß jeder, was ich als Unternehmer verdiene. Zudem bekommt jeder ausgelernte Mitarbeiter fünf Prozent des Gewinns,
weitere fünf Prozent gehen als Spende in einen Fond der Wirtschaft in Gemeinschaft, um Bedürftigen in anderen Ländern zu helfen.
Ich glaube, auch dies ist einer der Gründe unseres Erfolges.

Herr Linke, Sie engagieren sich mit Ihrem Unternehmen für das Gemeinwohl, dies ist nicht selbstverständlich. Es wäre wünschenswert, wenn mehr Unternehmen Ihrem Beispiel folgen würden. Haben Sie eine Idee, wie dies unterstützt werden kann?
Im Bereich der öffentlichen Hand wäre es sicherlich wünschenswert, wenn bei der Vergabe von Aufträgen neben dem Preis die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen als ein weiteres Kriterium zählen würde.
Die wichtigste Unterstützung müsste aber von jedem Einzelnem als Verbraucher kommen, indem man sich von der „Geiz ist Geil“-Mentalität verabschiedet. Jeder sollte sich klar machen, dass er persönlich durch sein Kaufverhalten Verantwortung für den Umgang mit Menschen in den Betrieben trägt.

Herr Linke, wir danken Ihnen für das Interview.

Schreinerei Webelhaus GmbH & Co. KG
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