“Das Ehrenamt: Nicht nur loben, sondern auch fördern!” Franz-Ludwig Blömker, Akademie Ehrenamt e.V.

Interview mit Franz-Ludwig Blömker, Akademie Ehrenamt e.V.
Vor drei Jahren führte das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen die Ehrenamtskarte NRW ein. Die Karte wird an Freiwillige verliehen, die sich mindestens fünf Stunden in der Woche bzw. 250 Stunden im Jahr nicht vergütet bzw. entschädigt engagieren. Sie erhalten Ermäßigungen in öffentlichen und privaten Einrichtungen, die sich an der Initiative beteiligen.
Das Familienministerium motiviert Kreise, Städte und Gemeinden zur Einführung der Ehrenamtskarte und unterstützt sie durch eigene Vergünstigungen sowie Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit. Aufgabe der Kommunen ist es, vor Ort Unterstützer aus Wirtschaft, Kultur und Sport zu gewinnen.
Franz-Ludwig Blömker ist erster Vorsitzender des Vereins Akademie Ehrenamt e.V. und maßgeblich für die Einführung und Verbreitung der Ehrenamtskarte für den Kreis Warendorf verantwortlich.
Akademie Ehrenamt e.V. wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, die ehrenamtliche Arbeit im Kreis Warendorf zu fördern. Dies geschieht u.a. durch Fortbildungen für Ehrenamtliche, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Anerkennung. So vergibt Akademie Ehrenamt alle zwei Jahre gemeinsam mit den Sparkassen im Kreis Warendorf einen Ehrenamtspreis.
Seit Frühjahr 2011 unterstützt der Verein die Kommunen im Kreis Warendorf auch bei der Einführung der Ehrenamtskarte NRW. In einer Kooperationsvereinbarung, die zunächst für zwei Jahre gilt, wird mit jeder teilnehmenden Kommune eine entsprechende Aufgabenverteilung geregelt.

Herr Blömker, Sie beschäftigen sich seit zwei Jahren mit der Einführung der Ehrenamtskarte im Kreis Warendorf. Vor einem Jahr haben die ersten vier Kommunen eine Vereinbarung mit der Akademie geschlossen, in der sich Ihr Verein verpflichtet, die Kommunen zunächst zwei Jahre lang bei der Einführung und Verwaltung der Ehrenamtskarte zu unterstützen.
Inzwischen konnten Sie zehn von 13 Gemeinden des Kreises gewinnen. Sind Sie zufrieden?
Ja, erst einmal sind wir zufrieden mit diesem Ergebnis. Unser endgültiges Ziel ist natürlich, alle 13 Gemeinden im Kreis zu gewinnen. Ich bin da zuversichtlich, wir sind mit allen im Gespräch. Jede Gemeinde hat ihr eigenes Vorgehen. So hat sich z.B. bereits eine weitere Gemeinde grundsätzlich für die Einführung der Ehrenamtskarte und eine Zusammenarbeit mit uns entschieden, sie wird die Karte aber erst dann einführen, wenn sie zehn Unterstützer gewonnen hat.

Die Akademie Ehrenamt e.V. basiert rein auf dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist sicherlich nicht so leicht, mit sieben Personen, von denen sich vier schwerpunktmäßig für die Ehrenamtskarte einsetzen, die Kommunen eines ganzen Kreises zu gewinnen. Wie erklären Sie sich den großen Erfolg Ihrer Initiative?
Als wichtigstes Erfolgsmerkmal sehe ich das Vertrauen und die Wertschätzung, die uns als Vertreterinnen und Vertreter von Akademie entgegen gebracht wird. „Man kennt sich“ ist vielleicht ein passendes Stichwort – ich habe als ehemaliger Beigeordneter einer kreisangehörigen Stadt gute Kontakte, ein Vorstandskollege war lange Leiter des Jugendamtes des Kreises Warendorf, und als Verein arbeiten wir ja auch bereits seit mehr als 10 Jahren immer wieder mit den Kommunen zusammen. Daraus vertraut man uns und weiß, dass wir kein Angebot machen, um daraus Profit zu schlagen, sondern aus Überzeugung.
Nonprofit ist wohl ein zweites Erfolgsmerkmal: Wir arbeiten rein ehrenamtlich und können die Kommunen so kostenlos dabei unterstützen, das Bürgerengagement zu fördern. Der gesellschaftliche Gewinn durch das Bürgerengagement ist allgemein bekannt. Dass viele Kommunen trotzdem nicht verstärkt in die Engagementförderung einsteigen können, liegt auch an den leeren Kassen.

Wir bieten den Kommunen an, zu einem sehr kleinen Preis ein sehr gutes Instrument der Engagementförderung zu etablieren: Akademie Ehrenamt unterstützt die Kommunen bei der Öffentlichkeitsarbeit und übernimmt die gesamte Administration; die Aufgabe der Kommunen liegt im Wesentlichen in der Anwerbung von Unterstützern und der Bewerbung der Karte bei den Vereinen und Institutionen, für die Ehrenamtliche tätig sind. Zum Ausgleich unserer Kosten leiten die Kommunen eine pauschale Landeszuwendung für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Einführung der Ehrenamtskarte an Akademie Ehrenamt weiter – ohne eine zusätzliche Belastung des kommunalen Haushalts.
Ein drittes Erfolgskriterium sehe ich in der Kooperationsvereinbarung selbst: Wir haben eine klare und verbindliche Trennung der Aufgaben aufgelistet. So weiß jede Seite, auf was sie sich einlässt: Der Aufwand bleibt überschaubar, sei es finanziell oder personell.
Als sehr nützlich hat sich auch ein Arbeitskreis erwiesen, den wir zusammen mit allen interessierten Kommunen im Kreis Warendorf gebildet haben und der zu einer raschen Verbreitung der Idee beigetragen hat.

Gerade in der Startphase war der Arbeitskreis sehr wichtig, um die Vorgehensweise, teils auch die Voraussetzungen für den Erhalt der Ehrenamtskarte im Kreis Warendorf möglichst einheitlich zu haben. Dabei konnten alle beteiligten Kommunen ihre Vorstellungen einbringen und sehr kollegial haben wir Gemeinsamkeit erreicht. Wir organisieren diesen Kreis mehrmals jährlich und laden dazu alle 13 Kommunen ein.

Im Austausch können die Kommunen inzwischen an den Erfahrungen der anderen teilhaben und wertvolle Anregungen für die eigene Praxis mitnehmen. In diesen Arbeitskreis bringen wir auch die Erfahrungen aus den Workshops des Ministeriums (MFKJKS NRW) ein, die wir regelmäßig für alle Kommunen unseres Kreises besuchen. Dieser Arbeitskreis zeigt auch einen anderen positiven Effekt der Ehrenamtskarte: Über Engagement wird gesprochen, es wird zu einem Tagesordnungspunkt.

Herr Blömker, als Initiative „gemeinsam wirken“ interessiert uns natürlich besonders die Rolle der Wirtschaft bei der Ehrenamtskarte im Kreis Warendorf. Wie ist sie beteiligt?
Wir haben inzwischen mehr als 100 Vergünstigungen für die Ehrenamtskarteninhaber im Kreis Warendorf, darunter viele von den verschiedensten Unternehmen, die sich für die Ehrenamtskarte engagieren. Die Entwicklung ist unterschiedlich und abhängig vom Einsatz, der für die Akquise geleistet werden kann. Als sehr wichtig erweist sich dabei auch die persönliche Mitwirkung der Bürgermeister und der lokalen Wirtschaftsförderung und Wirtschaftsverbände.
Unternehmen beteiligen sich durch Vergünstigungen, die sie den Inhaberinnen und Inhabern der Ehrenamtskarte schenken. Dies kann eine Ermäßigung bei Verkaufspreisen oder auch bei Autoreparaturen, das Erlassen der Gebühren für eine Bankkarte, ein Blumenpräsent zum Geburtstag oder eine vergünstigte Arbeitszeit in einem Unternehmen sein.
Besonders gut ist es natürlich, wenn die Unterstützung dem Engagement wieder zu Gute kommt wie z.B. das Angebot einer vergünstigten PR-Beratung durch eine Werbeagentur.
Akademie Ehrenamt selbst wird zudem durch die Sparkassen im Kreis gesponsert.

Fördern Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft über diese geldwerten Anreize hinaus die Ehrenamtskarte? Sind sie z.B. an Ihrem Arbeitskreis beteiligt und überlegen mit, wie sie mit ihrer jeweiligen Kompetenz und ihrem jeweiligen Netzwerk das Engagement fördern können?
Nein, bis jetzt noch nicht. Ich werde die Idee aber auf jeden Fall mitnehmen in unsere weiteren Überlegungen. Bei unserer zeitgleichen Kooperation mit zehn und mehr Städten und Gemeinden im Kreis Warendorf müssen wir dann natürlich überlegen, wen wir wie dafür ansprechen können.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Für dieses Jahr haben wir uns die Vergabe von insgesamt 250 Ehrenamtskarten und die Beteiligung aller Kommunen zum Ziel gesetzt; ich wünsche mir natürlich, dass wir das schaffen. Und dass wir noch mehr Unterstützung von Seiten der Wirtschaft erhalten, um die Ehrenamtskarte noch reizvoller zu gestalten, wenngleich wir immer wieder erfahren, dass den Ehrenamtlichen der symbolische Wert der Ehrenamtskarte, das darin zum Ausdruck kommende „Dankeschön“ wichtiger ist als ein materieller Vorteil. Vergünstigungen und andere Unterstützungen, die seitens der Wirtschaft und von anderen mit der Ehrenamtskarte verbunden werden, sind ja jeweils auch eine konkrete Form der Wertschätzung des Ehrenamtes und anderer Formen des bürgerschaftlichen Engagements. Dies halten wir für besonders wichtig und mit der Ehrenamtskarte NRW wirkungsvoll verknüpfbar.
Grundsätzlich wünsche ich mir einen Ausbau der engagementfördernden Strukturen. Das Ehrenamt loben und für geleistetes Engagement dankbar sein, ist fraglos wichtig, aber man muss es auch konkret fördern. Die Ehrenamtskarte ist dabei ein sehr gutes Instrument, aber eben auch nur eins von vielen Notwendigen.

Herr Blömker, wir danken Ihnen für das Interview.

Akademie Ehrenamt e.V.
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