Interview mit Dieter Schöffmann

Seit Herbst 2011 befindet sich die Initiative „Gemeinsam wirken“ im Aufbau, die mit diesem Newsletter erstmals an die Öffentlichkeit geht. Ermöglicht wird der Start durch eine Förderung des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieter Schöffmann, Vorsitzender des Projektträgers 3WIN e.V. Institut für Bürgergesellschaft, beantwortet Fragen zu Ziel und Zielgruppe der Initiative sowie zu den Mitwirkungsmöglichkeiten.

 

Herr Schöffmann, was ist die Zielsetzung der Initiative „Gemeinsam wirken“?

Kurz gesagt: Kooperation und Wirkung.

„Kooperation“ im Sinne von lokalen oder regionalen Netzwerken unterschiedlichster Art und Zusammensetzung, die sich um das Gemeinwohl kümmern. Hierbei kann es sich um gesellschaftlich engagierte Unternehmensnetzwerke handeln oder auch sektorübergreifende Kooperationen zwischen der Kommune, gemeinnützigen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen.

„Wirkung“ im Sinne der Lösung von Problemen im Gemeinwesen. Hierbei geht es darum, dass reale Herausforderungen – wie z.B. die Senkung der Schulabbrecherquote, die Integration abdriftender prekärer Stadtviertel, die Demografiefestigkeit der Stadtentwicklung – identifiziert und gemeinsam bewältigt werden.

Das ist sicher ambitioniert aber die visionäre Leitidee der Initiative.

Wie kam es zu dieser Initiative?

Wir – d.h. 3WIN e.V. – haben in den vergangenen Jahren einige Projekte durchgeführt, deren Erkenntnisse und Ergebnisse in „Gemeinsam wirken“ eingeflossen sind:

Die Initiative „KMU engagiert“, mit der im Jahre 2009 das gesellschaftliche Engagement kleiner und mittelständischer Unternehmen angeregt werden sollte.

Eine kleine Delphistudie bzw. Ideenerhebung zu „Gesellschaftlichem Unternehmensengagement als Investition in Bildung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Stadtentwicklung“. Hiermit haben wir mithilfe einer Expertenbefragung aus übergeordneten Strategien wie dem Nationalen Integrationsplan, dem Nationalen Stadtentwicklungsplan u.a.m. konkrete Handlungsansätze für ein problemlösendes Unternehmensengagement abgeleitet.

Schließlich eine Ende 2010 durchgeführte Recherche zur Frage, wie Kommunen in ihrem Einzugsgebiet Unternehmensengagement und –netzwerke anregen und partnerschaftlich nutzen.

Hieraus ergibt sich der Fokus der Initiative „Gemeinsam wirken“: Wirkungsorientierung hinsichtlich der Problemlösung im Gemeinwesen, Netzwerken bzw. sektorübergreifende Kooperationen für das Gemeinwohl und schließlich das besondere Interesse, hierbei kleine und mittlere Unternehmen einzubeziehen.

Wer kann bzw. soll denn hier „gemeinsam mitwirken“?

Zunächst einmal ist es hier nicht das Ziel, dass zukünftig Kommunen, Unternehmen oder gemeinnützige Organisationen unter der Fahne „Gemeinsam wirken“ segeln. Es geht uns vielmehr darum, Impulse zu geben und zum Lernen von funktionierender Praxis anzuregen, so dass vor Ort individuell passende Entwicklungen in Gang kommen – mit der Intention des gemeinschaftlichen problemlösenden Wirkens und unter der vor Ort jeweils passenden Namensgebung. Damit ist die Initiative auch keine Konkurrenz z.B. zu dem von der Bertelsmann Stiftung verfolgten Ansatz der „Verantwortungspartner für die Region“. Im Gegenteil: Da wo es passt, werden Unternehmen oder auch andere Akteure ermutigt, den Verantwortungspartneransatz aufzugreifen.

Vor diesem Hintergrund richtet sich die Initiative einerseits an bereits vorhandene Wirkungspartnerschaften und –netzwerke. Sie werden eingeladen, ihre Erfahrungen anderen Interessierten zur Verfügung zu stellen.

Andererseits richtet sich die Initiative an Kommunen, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, Wirtschaftsverbände und Kammern und auch an gemeinnützige Organisationen, die an ihrem Ort, in ihrer Region gerne eine für den Standort passende partnerschaftliche bzw. netzwerkende Initiative auf den Weg bringen wollen. Oder bescheidener: Die erst mal erkunden wollen, ob so etwas für sie passend und machbar sein könnte.

Welches sind die nächsten Aktivitäten der Initiative „Gemeinsam wirken“?

Mit diesem erstmals erscheinenden Newsletter und der Website „Gemeinsam wirken“ (www.gemeinsam-wirken.de) etablieren wir unsere Info- und hoffentlich bald auch Dialogplattform zu allen Aspekten des gemeinwohlorientierten gemeinsamen Wirkens.

Wir suchen zurzeit das Gespräch mit interessierten Kommunen, Wirtschaftsverbänden und Kammern, Unternehmen oder auch gemeinnützigen Organisationen, um gemeinsam mit ihnen vor Ort Impulsveranstaltungen durchzuführen, an deren Ende jeweils Keimzellen für lokale Netzwerke und Kooperationen entstehen könnten.

Am 15. Mai werden wir in Köln eine Arbeitstagung mit interessierten und in diesem Themenfeld bereits erfahrenen großen wie kleinen Kommunen durchführen, die dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch dient.

Herr Schöffmann, wir danken Ihnen für das Interview.

Weitere Informationen zur Initiative “Gemeinsam wirken”