„Uns geht es um eine langfristige Perspektive.“ Carina Zetzmann, Joblinge gAG Köln

Passend zur Zeugnisvergabe titelt die Welt online einen Bericht am 2. 7. 2012 mit „Europas Jugendarbeitslosigkeit ist eine Zeitbombe“. Demnach ist ein Viertel der unter 25-Jährigen in Europa arbeitslos, wobei nur die gezählt wurden, die öffentliche Leistungen erhalten.

Besonders kritisch ist die Phase des (geplanten) Übergangs von der Schule in den Beruf. In Deutschland erhält nur jeder zweite Hauptschulabgänger einen Ausbildungsplatz. Knapp 300 000 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren sind arbeitslos gemeldet, 325 000 befinden sich in einem Übergangssystem.

Auf Köln herunter gebrochen bedeutet dies: 4000 unter 25-Jährige, deren berufliche Laufbahn vor ihrem Beginn oder kurz danach unterbrochen wurde.

Um diese Jugendlichen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen, wurde im März 2012 der Kölner Standort der JOBLINGE-Initiative offiziell eröffnet.

JOBLINGE gAG Köln ist einer von sechs Standorten der 2008 von The Boston Consulting Group (BCG) und der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG ins Leben gerufenen gemeinnützigen Initiative JOBLINGE. JOBLINGE will arbeitslosen Jugendlichen echte Jobchancen verschaffen. Das Besondere an der Initiative: Sie verbindet Qualifizierung in der Praxis mit einer persönlichen und individuellen Förderung. Damit das möglich wird, bündelt JOBLINGE das Engagement und die Kompetenzen von verschiedenen Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

In einem rund sechsmonatigen Qualifizierungsprogramm bereiten sich die Teilnehmer auf die Herausforderungen der Berufswelt vor und erarbeiten sich Schritt für Schritt ihren Ausbildungs- oder Arbeitsplatz; aus eigener Kraft, aber nicht allein. Unterstützt und individuell gefördert werden sie von hauptamtlichen JOBLINGE-Mitarbeitern sowie von ehrenamtlichen Mentoren der JOBLINGE-Partnerunternehmen. Ziel ist es, den Jugendlichen den dauerhaften Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. JOBLINGE ist aktiv in Deggendorf (Bayerischer Wald), München, Frankfurt, Berlin, Köln und Leipzig.

Carina Zetzmann ist Standortleiterin von JOBLINGE Köln.

Frau Zetzmann, JOBLINGE Köln läuft seit knapp vier Monaten. Wenn Sie zurückblicken – was haben Sie erreicht?

Bis Ende Juni haben zehn unserer 50 Joblinge bereits vor Programmende eine verbindliche Zusage für einen Ausbildungsplatz erhalten. Das ist für die Jugendlichen, die Mentoren und für uns natürlich ein großer Erfolg.

Dies ist nicht alleine möglich. Wir bauen bei JOBLINGE auf ein Netzwerk aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung, in dem jeder seine Stärken einbringt. Auch hier sind wir auf einem guten Weg: In den ersten vier Monaten konnten knapp 100 Unternehmen und Institutionen aus Köln und der Region für JOBLINGE Köln gewonnen werden. Dazu gehören z. B. das Festkomitee Kölner Karneval, Carglass, CMS Hasche Sigle, Ebner Stolz Mönning Bachem, Generali, REMONDIS, die Sparkasse KölnBonn und die Stadt Köln. Weitere Finanzierungspartner sind GAG Immobilien AG, Gold-Kraemer-Stiftung, Hasenkamp Holding GmbH und TÜV Rheinland AG. Darüber hinaus kooperieren wir auch mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen.

Dazu konnten wir rund 50 Mentoren gewinnen. Sie unterstützen für jeweils sechs Monate ihren Mentee, also ihren „Jobling“, bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

Dabei ist uns wichtig, dass die Hilfe langfristig wirkt. Es geht also nicht darum, die Jugendlichen in ihre Traumjobs zu vermitteln, für die sie vielleicht gar nicht geeignet sind. Uns geht es um eine langfristige Perspektive, d.h. darum, den Mentee mit seinen Möglichkeiten und Grenzen vertraut zu machen und darauf aufbauend gemeinsam den weiteren Weg zu planen.

Der Markt der Anbieter im Bereich Übergangsmanagement und berufliche Qualifizierung ist groß und vielfältig. Warum nun auch noch JOBLINGE? Wird hier nicht ein Überangebot geschaffen und etablierte Träger verdrängt?

Die Grundidee von JOBLINGE ist es, eine sinnvolle Ergänzung zum bewährten Angebot in der Region zu schaffen. Das wird bei jedem Standort vorab ganz genau geprüft.
Zudem sprechen wir eine besondere Zielgruppe an, nämlich die Jugendlichen, die oftmals durch das Raster der gängigen Förderangebote gerutscht sind.

Zugleich gibt es in Köln einen hohen Bedarf; die Jugendarbeitslosigkeit liegt über dem bundesweiten Durchschnitt. Daher der Standort in Köln und demnächst auch die JOBLINGE Ruhrgebiet mit Sitz in Essen.

Wie können Unternehmen JOBLINGE unterstützen?

Unternehmen können mit Praktikums- und Ausbildungsplätzen unterstützen und sich durch das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter in Form von Mentorenschaften beteiligen. Aber auch finanzielle Hilfe, etwa durch Spenden und als Aktionäre eines Standorts, ist willkommen.

Von dem Engagement profitieren die Jugendlichen und die Unternehmen gleichermaßen. Zum Beispiel nutzen einige Unternehmen eine Mentorenschaft bei JOBLINGE zur Personalentwicklung für ihre Mitarbeiter. Die Mentoren müssen sich auf die Jugendlichen einstellen, mit ihnen kommunizieren und sich auf die oftmals fremde Lebenswelt einlassen – über den eigenen Tellerrand blicken. Dies sind persönliche Kompetenzen, die auch im beruflichen Leben immer öfters gefordert werden.

Andere Unternehmen unterstützen die JOBLINGE, indem sie Rahmenbedingungen für ihre eigenen Mitarbeiter schaffen, z.B. mit einer positiven Beurteilung des Engagements, einer Freistellung oder durch die Übernahme der Fahrtkosten.

Diese Unterstützung ist für JOBLINGE ein großer Gewinn, da wir bei unseren ehrenamtlichen Mentoren den Anspruch haben, dass diese aktiv im Berufsleben stehen. So verfügen sie über betriebliche Einbindung und ein Netzwerk, das sie für ihre Mentees einsetzen können.

Haben kleinere und mittlere Unternehmen einen besonderen Schwerpunkt bei den JOBLINGEN?

Unser Programm zielt darauf ab, dass die Jugendlichen möglichst schnell die betriebliche Realität kennen lernen. Daher sind uns kleinere und mittlere Unternehmen besonders wichtig in Hinblick auf die Ausbildungs- und Praktikumsplätze.

Gleichzeitig gelingt es immer wieder, diese Unternehmen auch für die JOBLINGE-Zielgruppe zu öffnen, welche sie bislang für die Sicherung ihres Fachkräftebedarf nicht in Betracht gezogen haben.

Auch zeigen die Erfahrungen anderer Standorte, dass es immer wieder gelingt, Partnerunternehmen zu überzeugen, Joblinge als Auszubildende aufzunehmen, die bisher nicht oder nicht mehr ausgebildet haben.

In diese Gruppe fallen vor allem kleinere Betriebe, die nicht über ausreichende eigene Kapazitäten verfügen, um die erforderliche intensive Betreuung zu gewährleisten.

Darüber hinaus tritt immer wieder ein „Klebeeffekt“ bei Unternehmen auf, die ursprünglich nur einen Praktikumsplatz vorgesehen hatten und nach positiven Erfahrungen doch entscheiden, den Joblingen eine Ausbildung anzubieten.

Hier ist oft eine große Offenheit zu spüren, mit den eigenen Mitteln und direkt mit den Betroffenen der großen gesellschaftlichen Herausforderung „Jugendarbeitslosigkeit“ etwas entgegen zu setzen.

Frau Zetzmann, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Kontakt:

Joblinge gemeinnützige AG Köln
Frau Carina Zetzmann, Standortleiterin
Hansaring 68
50670 Köln

Tel.: 0221/291991-41

carina.zetzmann@joblinge.de

www.joblinge.de/wo_finde_ich_joblinge/gag_koeln.html

Unternehmen, die sich als Praktikums-oder Ausbildungsplatzgeber, Mentor oder Mentorenschaftsförderer, Spender oder Aktionär an JOBLINGE beteiligen möchten, sind herzlich willkommen!

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