„Denen muss man gesellschaftliche Verantwortung nicht erklären, sie leben sie.“ Dr. Rolf Engels, Bielefelder Marktplatz „Gute Geschäfte“

„Es wird über alles verhandelt – nur nicht über Geld!“ – so die wichtigste Regel von „Marktplatz – Gute Geschäfte“, der Vermittlungsbörse zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen.

2005 übertrug die Bertelsmann Stiftung die aus den Niederlanden adaptierte Marktplatz-Methode auf deutsche Verhältnisse. Mit großem Erfolg: In den ersten vier Jahren fanden über 125 Marktplatzplätze an ca. 60 Standorten in Deutschland und Österreich statt, über 7500 Kooperationen zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen wurde beschlossen und die Marktplatz-Methode wurde beim Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen” als  „Ausgewählter Ort 2010″ ausgezeichnet.

Auf Initiative von Dr. Rolf Engels fand im April 2012 der 2. Bielefelder Marktplatz statt. Dr. Engels ist Berater für Organisationen und Unternehmen, Netzwerker und Fundraiser – eine perfekte Kombination für die Implementierung eines Marktplatz „Gute Geschäfte“.

Dr. Engels, über Sie kam der Marktplatz nach Bielefeld. Wie kam der Marktplatz zu Ihnen?

Durch einen Zufall. Ich hatte von einer Bekannten davon gehört, im Internet recherchiert und war begeistert! Über die Bertelsmann-Stiftung erfuhr ich von anderen
Bielefeldern, die sich für die Methode interessierten und wir vereinbarten eine Kooperation.

Ihr Marktplatz hat sofort großen Anklang gefunden, beim ersten Marktplatz im Jahr 2010 beteiligten sich 50 Unternehmen und 50 Gemeinnützige, beim 2. Marktplatz 2012 waren es immerhin 34 Unternehmen und 36 Gemeinnützige. Ein Einstand mit solch einem Paukenschlag ist nicht selbstverständlich. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Ausschlaggebend sind mehrere Faktoren. Zum einen ist der Trägerkreis des Bielefelder Marktplatzes in alle gesellschaftlichen Sektoren sehr gut vernetzt. Die Geschäftsführer des Paritätischen und der AWO, der Vorstand eines Sportclubs und die Prokuristin der städtischen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft sind darin vertreten, d.h., wir sind perfekt vernetzt in den gemeinnützigen Bereich, zur Unternehmerschaft und in die Verwaltung und Politik.

Ich z.B. habe über meine fünfzehnjährige Tätigkeit im Vorstand der v. Bodelschwingh-schen Stiftungen Bethel engen Kontakt zu Mitgliedern der Bielefelder Kaufmannschaft. Man kennt mich, man glaubt mir mein Interesse und ich weiß von deren Interesse.

Im Kontakt mit Marktplätzen aus anderen deutschen Städten merke ich, welche Ressource in unserem Netzwerk steckt. Die Glaubwürdigkeit und das gegenseitige Vertrauen erleichtern es ungemein, Unternehmer für den Marktplatz zu gewinnen.

Zudem hat die Unternehmerschaft in Bielefeld auch besondere Kennzeichen, die sie von anderen Regionen in Deutschland abheben. Wir haben größtenteils kleinere und mittlere Familienunternehmen. Die Inhaber sind global handelnde Mittelständler, etliche davon sind sehr religiös. Denen muss man gesellschaftliche Verantwortung nicht erklären, sie leben sie. Eine Idee wie der Marktplatz spricht sie sofort an, ich bekam fast immer die spontane Antwort „Da bin ich dabei!“

Auch jetzt geschieht es immer wieder, dass Unternehmer dafür danken, dass wir die Idee nach Bielefeld geholt haben, es macht ihnen einfach Spaß. Die Begeisterung konnte man gut an einer Befragung beim 1. Bielefelder Marktplatz spüren, 95 Prozent der Unternehmer sagten, sie wären beim nächsten Mal wieder dabei.

Allerdings waren beim 2. Bielefelder Marktplatz weniger Teilnehmer – wie erklären Sie sich das? Haben sich Partnerschaften zwischen Unternehmen und Gemeinnützigen gebildet, so dass eine Vermittlungsbörse nicht mehr notwendig ist?

Es war vor allem das Datum. Wir haben den 2. Marktplatz ungeschickter weise zeitgleich zu der Hannover Messe terminiert, da hatten natürlich viele Unternehmen keine Zeit. Beim nächsten Mal schauen wir genau, was ansonsten noch stattfindet.

Das Interesse ist aber noch genauso groß wie beim ersten Mal. Auf meine Ankündigung für den 2. Bielefelder Marktplatz bekam ich viele positive Rückmeldungen und Zusagen. Der Termin verhinderte dann die Teilnahme. Die Inhaber der kleineren und mittleren Familienunternehmen nehmen ihr Engagement sehr ernst und wollen sich auf dem Marktplatz nicht vertreten lassen.

Aus dem 1. Marktplatz haben sich mehrere langfristige Partnerschaften zwischen Gemeinnützigen und Unternehmen entwickelt. Das ist ja das Gute am Marktplatzprinzip: Man vereinbart eine befristete Zusammenarbeit und manchmal entwickelt sich daraus eine so gute Beziehung, dass die Kooperation fortgesetzt wird.

Was planen Sie für die Zukunft?

Im Herbst werden wir ein halbes Jahr nach dem 2. Marktplatz zu einer Zwischenveranstaltung einladen und geglückte Kooperationen vorstellen. So schaffen wir Anerkennung für die bestehenden Kooperationen und Aufmerksamkeit für den 3. Marktplatz. Der 3. Marktplatz ist sicher, nur das Datum noch nicht.

Dr. Engels, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Kontakt:

Bielefelder Marktplatz e.V. – Marktplatz für Unternehmen und Gemeinnützige
Projektmanagement und inhaltlich Verantwortlicher
Dr. Rolf Engels
Margaretenweg 18
33611 Bielefeld
Tel.: 0521/9886040

info@bielefelder-marktplatz.de

www.bielefelder-marktplatz.de

Informationen, Veranstaltungen und Serviceangebote zum Marktplatz „Gute Geschäfte“ finden Sie auf der Seite www.gute-geschaefte.org