„In Möglichkeiten zu denken – und weniger in Schwierigkeiten.“ Siegmar Schridde, Stabsstelle Bürgerengagement, Stadt Rheine

Die Stabstelle Bürgerengagement wurde 2005 ins Leben gerufen. Sie vermittelt zwischen Engagementinteressierten und gemeinnützigen Organisationen, unterstützt den Austausch zwischen gemeinnützigen Organisationen, hilft bei der Entwicklung ehrenamtlicher Projekte und qualifiziert freiwillig Tätige.

Siegmar Schridde ist seit ihrer Gründung mit einer halben Stelle für die Stabsstelle Bürgerengagement tätig.

Herr Schridde, die Stadt Rheine hat zur Besetzung der Stabsstelle Bürgerengagement seinerzeit zu einem Ideenwettbewerb für deren Aufgaben und Bedingungen eingeladen. Welche Vorschläge wurden eingereicht, welche von der Jury ausgewählt?

Beim damaligen internen Besetzungsverfahren dieser Stelle hatten sich die Kandidatinnen und Kandidaten einem Wettbewerb zu stellen, welcher durch ein externes Beratungsbüro begleitet wurde. Die Aufgabe bestand darin, ein Konzept zur Ausgestaltung der Stelle zu entwickeln. Eine weitere Besonderheit war, dass Repräsentanten aus der Bürgerschaft bei der Personalauswahl mitentscheiden konnten. Die Jury ist damals zu der Votierung gekommen, die Stelle jeweils zur Hälfte mit einem Bewerber bzw. einer Bewerberin zu besetzen. Zusammen mit meiner Kollegin Wiebke Gehrke wurden in den ersten zwei Jahren Impulsprojekte initiiert und die Unterstützungsbedarfe aus der Bürgerschaft ermittelt.

Die Einrichtung einer Freiwilligenbörse, die Durchführung eines Stadtteilwettbewerbs und die Veröffentlichung einer Dokumentation zum bürgerschaftlichen Engagement in Rheine waren zum Beispiel Ideen aus dem Wettbewerb, die in der Startphase dann auch realisiert wurden.

Empfehlen Sie anderen Kommunen dieses Vorgehen?

Ich glaube, es ist mittlerweile unstrittig, dass es einer Anlaufstelle im Rathaus bedarf, um die Unterstützung des örtlichen bürgerschaftlichen Engagements als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung und als ressortübergreifendes Politikfeld zu etablieren. Die Ausgestaltung dieser Stelle richtet sich allerdings immer nach den örtlichen Gegebenheiten. So gab es beispielsweise in Rheine noch keine Freiwilligenbörse. Die logische Konsequenz war es, diese aufzubauen. In einer Nachbarkommune, die ebenfalls eine Stabsstelle einrichtete, war dies nicht erforderlich, da dort bereits eine ehrenamtlich geführte Agentur existiert.

Die Durchführung eines kreativen Auswahlverfahrens zur Stellenbesetzung und /oder die Beteiligung der gemeinwohlorientierten lokalen Akteure bei der inhaltlichen Ausrichtung dieser Stellen kann ich durchaus empfehlen.

Wenn Sie zurückblicken auf die letzten fast sieben Jahre – wie hat sich die Stelle etabliert? Was haben Sie erreicht?

Zum Start vor sieben Jahren gab es in Teilen der Bürgerschaft eine gewisse Skepsis, weil man – verständlicherweise – noch nicht erkennen konnte, ob die Schaffung einer derartigen Stelle auch wirklich einen Nutzen bringen würde. Insbesondere durch das erste Impulsprojekt, die Freiwilligenbörse, konnten aber der Service praktisch dargestellt und somit Vertrauen aufgebaut werden. Die Stelle hat sich mittlerweile als trägerunabhängiges Kontakt-, Beratungs- und Förderbüro etabliert und ist politik- und fachübergreifend anerkannt. Gemeinsam mit den Serviceangeboten der unterschied-lichen Fachabteilungen der Verwaltung motiviert diese Unterstützung zum eigenverantwortlichen Handeln im bürgerschaftlichen Engagement.

Welche Erfahrungen haben Sie mit gemeinnützigem Unternehmensengagement mit Personal und Kompetenz gemacht?

Das Tempo und der Inhalt der Arbeit in dieser Stelle werden maßgeblich bestimmt durch die Wünsche und Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger. Eine Stelle stößt dabei aber auch irgendwann an ihre Grenzen – denn nicht alles was wünschenswert ist, ist auch machbar. Wünschenswert ist ganz sicher, auch den Unternehmen Serviceangebote anzubieten. Allerdings braucht es dazu insbesondere die Ressource Zeit. Und eine kommunale Anlaufstelle muss sich die Fragen stellen: Müssen Unternehmen überhaupt zu gesellschaftlichem Engagement motiviert werden? Und muss diese Motivation überhaupt aus dem Rathaus, aus der Verwaltung kommen?

Sehr positive Erfahrungen konnten wir mit den örtlichen Unternehmen immer dann machen, wenn ein klar durchdachtes Projekt zum Sponsoring angeboten wurde. Eine Partnerschaft mit einer Win-Win-Situation war und ist nicht selten das Ergebnis.

Welche Schritte stehen in nächster Zukunft an?

Aktuell steht die Durchführung einer Bürgerkonferenz in einem Stadtteil an, die zum Ziel hat, ehrenamtliche Mitstreiter/-innen zu finden, um eigenverantwortlich einen sogenannten „selbstbestimmen Bürgertreff“ aufzubauen.

Mittelfristig möchte die Stabsstelle Bürgerengagement der Stadt Rheine ihre Mitarbeit anbieten, um die Zusammenarbeit aller Engagement fördernden Einrichtungen in Rheine zu intensivieren. Durch ein optimiertes abgestimmtes Handeln könnten beispielsweise das lokale bürgerschaftliche Engagement noch bedarfsgerechter unterstützt werden und aufgrund neuer Kooperationen und Partnerschaften Synergien mit einem Gewinn für alle Beteiligten entstehen. Denkbare Strukturen dazu wären beispielsweise der Aufbau eines Bündnisses aus Bürgerschaft, Verwaltung/Politik und Wirtschaft, wie zum Beispiel in Augsburg oder ein Vereinszusammenschluss von Privatpersonen, gemeinnützigen Einrichtungen und Unternehmern, wie zum Beispiel beim Centrum für Bürgerschaftliches Engagement in Mülheim.

Was empfehlen Sie anderen Kommunen, die Bürgerengagement implementieren wollen?

Die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements als Pflichtaufgabe erkennen und dabei in Möglichkeiten zu denken – und weniger in Schwierigkeiten.

Herr Schridde, wir danken Ihnen für das Interview!

 

Kontakt:

Stadt Rheine, Die Bürgermeisterin – Stabsstelle Bürgerengagement
Siegmar Schridde
Klosterstraße 14
48431 Rheine
Tel.: 05971/939-273
Fax.: 05971 939-8273

siegmar.schridde@rheine.de

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