„Unsere Stadtgesellschaft kann nur funktionieren, wenn Bürgerinnen und Bürger sich weiterhin bürgerschaftlich engagieren“ Susanne Kunert, Kommunalstelle FABE, Stadt Köln

In Köln wurde 2001 die „Kommunalstelle zur Förderung und Anerkennung Bürgerschaftlichen Engagements“, kurz FABE, unmittelbar im Amt des Oberbürgermeisters eingerichtet. FABE setzt sich für die öffentliche Anerkennung des Ehrenamtes, z.B. über den jährlichen Ehrenamtspreis „KölnEngagiert“, und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für ehrenamtlich tätige Menschen ein, u.a. über die Geschäftsführung des Kölner Netzwerk Bürgerengagement. Die Kommunalstelle FABE verfügt über zwei Personalstellen und wird seit August 2004 von Susanne Kunert geleitet.

Frau Kunert, Köln ist eine der wenigen Kommunen, die sich eine Kommunalstelle für die Förderung und Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements leistet. Wie kam es dazu?

Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Köln, Fritz Schramma, hat die Förderung und Anerkennung von bürgerschaftlichem Engagement zu einem seiner Schwerpunktthemen ernannt. Im Jahr 2000 beauftragte er drei Fachreferenten, den Kölner Ehrenamtstag und den Ehrenamtspreis „KölnEngagiert“ zu organisieren und durchzuführen. Nach dieser Pilotphase brachte der ehemalige Oberbürgermeister die Idee einer zentralen Anlauf- bzw. Vermittlungsstelle in den Kölner Rat. Dort wurde am 14. Dezember 2000 beschlossen, eine Kommunalstelle zur Förderung und Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements zu gründen. Diese sollte im Amt des Oberbürgermeisters angegliedert sein. So entstand zum 1. Januar 2001 die Kommunalstelle FABE.

Wie schaffen Sie es, das Thema Bürgerschaftliches Engagement als Querschnittsaufgabe in der Stadtverwaltung zu implementieren?

Hier werden bei der Stadt Köln seit 2002 verschiedene Wege genutzt. Im Dezember 2002 wurde ein von der Stadtverwaltung entwickeltes Konzept zur Förderung des Bürgerengagements vom Rat der Stadt Köln verabschiedet. Dieses Konzept wurde den Dezernaten und Amtsleitern über verschiedene Informationskanäle bekannt gegeben, z.B. bei Informationsveranstaltung für alle Amtsleiter.

Ein Schwerpunkt dieses Konzeptes ist die Förderung des Engagements der eigenen Mitarbeitenden. So wurde den städtischen Mitarbeitenden bereits 2003 erstmals die Möglichkeit gegeben, sich in gemeinnützigen Projekten zu engagieren. Seit Ende 2004 werden alle städtischen Beschäftigten unter dem Titel „StadtAktiv“ für einen Tag im Jahr für die Umsetzung dieser Projekte freigestellt.

Auch viele städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen nach ihrer Pensionierung für Köln und seine Menschen aktiv sein. Dies wird bei der Stadt Köln seit 2006 mit der Initiative „Ehrenamt im Ruhestand“ gefördert. Hier erhalten alle städtischen Beschäftigten zur Verabschiedung aus dem Berufsleben einen persönlichen Brief des Oberbürgermeisters, in dem dieser auf die Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements in der nachberuflichen Phase hinweist. Darüber hinaus werden sie zu einer Info-Veranstaltung ins Rathaus eingeladen.

Neu ist seit 2010 das sogenannte Sozialpraktikum für die Auszubildenden des nichttechnischen Dienstes der Stadt Köln. Um schon frühzeitig für das Gemeinwohl und Engagement zu sensibilisieren, werden die Auszubildenden für eine Woche freigestellt.

Die Aufrufe zur Beteiligung an StadtAktiv-Projekten erfolgen über das städtische
Intranet, so dass das Thema regelmäßig präsent ist. Außerdem berichtet das StadtIntern-Journal sehr ausführlich und regelmäßig über das Engagement der Mitarbeitenden.

Kölnerinnen und Kölner haben mit Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung, Institutionen und Verbänden ein Leitbild für Köln im Jahr 2020 entworfen. Die Förderung und Anerkennung des bürgerschaftlichen Engagements floss als Querschnittsthema in die Leitbilddiskussion ein.

Außerdem sind auch viele Engagierte bei der Stadt Köln selbst aktiv, so arbeiten z.B. in den Kölner Museen ca. 400 Menschen ehrenamtlich. Auch für die bei der Stadt Köln ehrenamtlich Beschäftigten ist die Kommunalstelle FABE Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Ehrenamt. Wichtig ist hierbei auch die Anerkennung der
Arbeit, so werden für diese Personengruppen regelmäßige Empfänge des Oberbürgermeisters im Rathaus ausgerichtet. Auch diese Aktivitäten tragen dazu bei, das Thema weiter in die Verwaltung zu transportieren.

Ein weiterer Weg, das Thema Bürgerschaftliches Engagement als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung voran zu bringen, ist die Implementierung der „Leitlinien zum
Bürgerschaftlichen Engagement“. Die Leitlinien wurden 2006/07 in einer Arbeitsgruppe des Kölner Netzwerks Bürgerengagement erarbeitet, in einem Konsultationsprozess mit ca. hundert Einrichtungen in Workshops diskutiert und am 24. April 2008 vom
Kölner Rat verabschiedet. Die Leitlinien beinhalten auch eine Selbstverpflichtung der Stadt Köln, diese vorbildlich umzusetzen.

Wer sich in Köln freiwillig engagiert, hat nun die Möglichkeit, Einrichtungen bzw.
Initiativen an der Umsetzung der Leitlinien zu messen. Für Organisationen bedeutet dies, dass sie sich mit den Ansprüchen der Engagierten an ein freiwilliges Engagement auseinander setzen müssen.

Mit der Implementierung der Leitlinien innerhalb der einzelnen Dienststellen, in denen Freiwillige tätig sind wie beispielsweise in den städtischen Kindertagesstätten, Museen etc., verfährt die Kommunalstelle FABE zurzeit dergestalt, dass nacheinander deren spezielle Situation besprochen und, falls gewünscht, ein adäquates Fortbildungsangebot für das hauptamtliche Personal bereit gestellt wird.

Im Jahr 2005 wurde das Kölner Netzwerk Bürgerengagement gegründet, ein freiwilliger Zusammenschluss von Personen und Organisationen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen, politischen und kommunalen Bereichen. In unterschiedlichen Arbeitsgruppen werden Themen wie Bürgerengagement und Schule, Erwerbslosigkeit oder Migration bearbeitet.
Welche Funktion übernimmt die Kommune bei diesem Netzwerk?

Der Oberbürgermeister und die Kommunalstelle FABE haben maßgeblich bereits zur Gründung des Kölner Netzwerks Bürgerengagement beigetragen.

Die hauptamtliche Geschäftsführung, die in der Kommunalstelle FABE im Amt des Oberbürgermeisters angesiedelt ist, gibt der Arbeit des Kölner Netzwerks Bürgerengagement Kontinuität. U. a. verwaltet die Geschäftsführung das Netzwerk-Budget, lädt zu den Sitzungen der Steuerungsgruppe ein, hält die Umsetzung der Aufgaben im Blick, bezieht Dienststellen der Stadtverwaltung ein, wenn Zuständigkeit angezeigt ist.

Bei der Einrichtung von Arbeitsgruppen im Kölner Netzwerk Bürgerengagement wird darauf geachtet, dass thematisch betroffene Ämter in die Arbeit einbezogen werden, um die behandelten Themen in die Verwaltung zu tragen.

Was waren oder sind für Sie als Kommune die größten Herausforderungen bei der Moderation und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements?

Unsere Stadtgesellschaft kann nur funktionieren und auch den anstehenden demografischen Wandel bewältigen, wenn Bürgerinnen und Bürger sich weiterhin für ihre Stadt und die Menschen bürgerschaftlich engagieren. Die Förderung des Bürgerengagements kann durch weitere finanzielle und personelle Ressourcen ausgebaut werden.

Was wünschen Sie sich, um als Kommune weiterhin Bürgerschaftliches Engagement fördern zu können?

Die weitere Unterstützung durch Stadtspitze und Politik, um unsere erfolgreiche Arbeit fortsetzen zu können.

Frau Kunert, wir danken Ihnen für das Interview!

 

Kontakt:

Stadt Köln – Kommunalstelle FABE
Susanne Kunert
Tel.: 0221/221-23190
Fax: 0221/221-26581

susanne.kunert@stadt-koeln.de

http://www.stadt-koeln.de/2/ehrenamt/00170/